Wissensblog · Blähbauch & Reizdarm

Reizdarm oder SIBO – woran erkenne ich den Unterschied?

Aktualisiert: Juni 2026 · Dr. rer. nat. Claudia Bentzien

Der wichtigste Unterschied: „Reizdarm” ist eine Ausschluss-Diagnose – sie wird gestellt, wenn trotz Beschwerden keine eindeutige Ursache gefunden wurde. SIBO (eine Dünndarmfehlbesiedlung) ist dagegen eine konkrete Ursache – Bakterien sitzen im Dünndarm, wo sie nicht hingehören. Sehr oft steckt eine SIBO hinter einem zuvor diagnostizierten Reizdarm. Genau deshalb hilft bei manchen Menschen „nichts”: Sie behandeln das Etikett, nicht die Ursache.

Wenn du die Diagnose Reizdarm bekommen hast und dich damit allein gelassen fühlst, ist das ein guter Moment, genauer hinzuschauen.

Was ist der Unterschied zwischen Reizdarm und SIBO?

  • Reizdarm (RDS): ein Beschwerdebild – Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und/oder Verstopfung – ohne fassbare organische Ursache. Die Darm-Hirn-Achse spielt eine große Rolle.
  • SIBO (Dünndarmfehlbesiedlung): eine zu hohe Zahl an Bakterien im Dünndarm. Sie vergären die Nahrung zu früh, es entsteht viel Gas – typischerweise Blähbauch und Völlegefühl kurz nach dem Essen.

Der entscheidende Punkt: SIBO ist eine mögliche Ursache für genau die Beschwerden, die man „Reizdarm” nennt.

Woran erkenne ich, dass hinter meinem Reizdarm mehr steckt?

Hellhörig werden solltest du, wenn:

  • der Blähbauch kurz nach dem Essen stark zunimmt
  • du dich ausgerechnet nach „gesundem” Essen (Rohkost, Ballaststoffe) schlechter fühlst
  • Probiotika nichts bringen oder es schlimmer machen
  • klassische Reizdarm-Empfehlungen bei dir einfach nicht greifen

„Sehr oft ist ‚Reizdarm‘ kein Endpunkt, sondern der Anfang der eigentlichen Spurensuche.“ — Dr. Claudia Bentzien

Auch Begleitfaktoren wie eine Histaminproblematik oder eine Hämopyrrollaktamurie (HPU) können das Bild verschieben. Welche Rolle sie spielen, lässt sich nur durch gezieltes Hinschauen klären – pauschale Aussagen führen hier in die Irre.

Was bedeutet das für meinen Weg?

Es bedeutet vor allem eins: Erst die Ursache klären, dann handeln. Ob klassischer Reizdarm, SIBO, Histamin oder ein Nährstoffthema – die Richtung der nächsten Schritte unterscheidet sich deutlich. Aus meiner Erfahrung mit über 600 Menschen (mehr über mich) ist dieser Schritt der, der am meisten verändert.

Mehr dazu, warum klassische Darmaufbau-Tipps oft nicht funktionieren – oder lass uns gemeinsam herausfinden, was bei dir wirklich dahintersteckt.

Häufige Fragen

Kann man Reizdarm und SIBO gleichzeitig haben?

Ja. „Reizdarm" ist eine Diagnose, die gestellt wird, wenn keine andere Ursache gefunden wurde. Bei einem Teil dieser Menschen findet sich bei genauerem Hinsehen eine Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO) – sie kann also hinter einem Reizdarm stecken.

Wie wird SIBO festgestellt?

SIBO wird üblicherweise über einen Atemtest abgeklärt. Wichtig ist, das von jemandem einordnen zu lassen, der die Zusammenhänge kennt – ein Testergebnis allein sagt noch nicht, was für dich der richtige Weg ist.

Warum ist die Unterscheidung so wichtig?

Weil die Richtung der Maßnahmen sich unterscheidet. Was bei einem klassischen Reizdarm hilft, kann bei einer Fehlbesiedlung die Beschwerden verstärken – etwa, wenn man „mehr gute Bakterien" zuführt, wo schon zu viele am falschen Ort sitzen.

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