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HPU und Entgiftung – warum dein Körper Gifte schlechter loswird

Veröffentlicht: 28. Juli 2026 · Dr. rer. nat. Claudia Bentzien

Bei einer Hämopyrrollaktamurie (HPU) wird der Baustein Häm teilweise fehlerhaft gebaut – und ausgerechnet dieser Baustein steckt in den wichtigsten Entgiftungsenzymen der Leber. Die Folge: Der erste, entscheidende Schritt der Entgiftung läuft langsamer, als er sollte. Schadstoffe, Stoffwechselabfälle und auch Hormonreste werden schlechter abgebaut und bleiben länger im Umlauf. Deshalb reagieren viele Menschen mit HPU empfindlich auf Dinge, die andere kaum bemerken – auf Alkohol, Koffein, Medikamente, Gerüche.

Entgiftung ist bei HPU also kein Wellness-Thema, sondern der Kern der Sache. Und genau hier liegt auch der Grund, warum man dabei einiges falsch machen kann.

Warum entgiftet der Körper bei HPU schlechter?

Weil die Entgiftung an einem Baustein hängt, der bei HPU knapp und fehlerhaft ist. Die Leber baut Schadstoffe in mehreren Schritten ab, und der erste davon läuft über eine große Gruppe von Enzymen, die Häm in sich tragen – ohne intaktes Häm arbeiten sie langsamer. Da bei HPU genau dieses Häm teilweise falsch gebaut wird (was HPU genau ist), stockt der Prozess an seiner ersten Station.

Dazu kommt: Für die weiteren Schritte braucht der Körper bestimmte Bausteine, um die Schadstoffe „verpackt” und ausscheidbar zu machen – unter anderem die Aminosäure Taurin, die bei HPU ebenfalls oft knapp ist (warum Taurin bei HPU so wichtig ist). Weniger Werkzeug an mehreren Stellen bedeutet: Der ganze Ablauf gerät ins Stocken.

Was passiert, wenn die Entgiftung nicht hinterherkommt?

Dann stauen sich Zwischenprodukte. Das ist der unangenehme Teil: In einem der Zwischenschritte macht der Körper Schadstoffe zunächst reaktiver, bevor er sie im nächsten Schritt entschärft und ausscheidet. Läuft der erste Schritt, aber der Abtransport hinkt hinterher, sammeln sich genau diese reaktiven Zwischenformen an – und die können mehr Schaden anrichten als der Ausgangsstoff.

Das erklärt ein Muster, das ich in der Praxis ständig sehe: Menschen, die auf immer mehr reagieren, sich „vergiftet” fühlen, schlecht Alkohol oder Medikamente vertragen und nach Belastungen lange brauchen, um sich zu erholen. Kein Wunder – ihr Körper wird die Dinge schlechter los.

Warum können Detox-Kuren aus dem Internet nach hinten losgehen?

Weil die meisten am falschen Ende anfangen. Viele populäre Kuren setzen darauf, Schadstoffe kräftig zu mobilisieren – aus dem Gewebe herauszulösen. Das klingt gründlich, ist aber nur die halbe Miete. Wird nicht gleichzeitig für die sichere Ausscheidung gesorgt, werden die gelösten Stoffe im Körper nur umverteilt, statt hinausbefördert zu werden. Fachleute sprechen von Rückvergiftung.

Bei HPU, wo die Ausscheidung ohnehin nicht rundläuft, ist das besonders heikel. Wer hier mit einer forschen „Ausleitung” loslegt, ohne die Ausscheidungswege vorbereitet zu haben, fühlt sich hinterher oft schlechter statt besser. Die richtige Reihenfolge entscheidet – zuerst dafür sorgen, dass die Tür nach draußen offen ist, und erst dann anfangen aufzuräumen.

„Der häufigste Fehler beim Thema Entgiftung ist nicht zu wenig, sondern zu viel und zu früh. Ich habe schon viele Menschen erlebt, die sich mit einer Detox-Kur regelrecht umgehauen haben – weil der Körper die gelösten Gifte nicht loswerden konnte. Bei HPU ist die Reihenfolge alles.” — Dr. Claudia Bentzien

Was solltest du jetzt tun?

Vor allem eins: es nicht auf eigene Faust mit einer aggressiven Kur versuchen. Sanft und in der richtigen Reihenfolge zu arbeiten ist bei HPU kein Kompromiss, sondern die Voraussetzung dafür, dass Entgiftung überhaupt entlastet statt belastet.

Wenn du dich in diesem Bild wiedererkennst – empfindlich auf Alkohol, Koffein und Medikamente, dazu Erschöpfung und das Gefühl, auf vieles zu reagieren (wenn der Körper nicht mehr mitkommt) –, dann lohnt es sich zu prüfen, ob eine HPU dahintersteckt, statt an Symptomen herumzudoktern. Und wenn du dauerhaft Medikamente nimmst, sollte deren Verträglichkeit ärztlich im Blick behalten werden, denn auch sie werden über dieselben Wege abgebaut.

Aus meiner Erfahrung mit über 600 begleiteten Menschen (mehr über mich) ist die überlastete Entgiftung eines der Themen, bei denen sich am deutlichsten zeigt, warum es auf das Wie ankommt. Nicht möglichst viel entgiften – sondern dem Körper das geben, was er braucht, um es selbst wieder zu können.

Häufige Fragen

Was bedeutet Entgiftungsstörung eigentlich?

Der Körper wandelt fettlösliche Schadstoffe in wasserlösliche um, damit er sie über Urin, Stuhl und Schweiß ausscheiden kann. Eine Entgiftungsstörung heißt, dass einer dieser Schritte stockt – dann bleiben Zwischenprodukte länger im Umlauf, die den Körper belasten. Bei HPU ist besonders der erste Schritt in der Leber betroffen.

Sind Detox-Kuren aus dem Internet bei HPU sinnvoll?

Vorsicht ist angebracht. Viele Kuren mobilisieren Schadstoffe, ohne für ihre sichere Ausscheidung zu sorgen – dann werden sie im Körper nur umverteilt statt hinausbefördert. Gerade bei HPU, wo die Entgiftung ohnehin unter Druck steht, kann das die Beschwerden verschlimmern statt sie zu lindern.

Woran merke ich, dass meine Entgiftung überlastet ist?

Typische Hinweise sind eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Gerüchen, Alkohol, Koffein oder Medikamenten, dazu Erschöpfung, Kopfschmerzen und das Gefühl, auf vieles zu reagieren. Das sind Hinweise, keine Diagnose – der Nährstoff- und Belastungsstatus sollte fachlich eingeordnet werden.

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