Wissensblog · Darm, Hormone & Erschöpfung
HPU und Hormone – warum gleich das ganze System aus dem Takt gerät
Wenn bei dir gleichzeitig die Schilddrüse schwächelt, der Zyklus verrücktspielt und du dich chronisch erschöpft fühlst, ist das selten Zufall – und meist auch nicht drei getrennte Probleme. Bei einer Hämopyrrollaktamurie (HPU) gerät oft das ganze Hormonsystem in Schieflage, weil die verschiedenen Hormone an denselben Bausteinen und am selben Abbauweg hängen. Fehlen die Bausteine – vor allem Zink und Vitamin B6 – und stockt der Abbau in der Leber, betrifft das nicht ein Hormon, sondern viele auf einmal.
Deshalb greift es zu kurz, bei HPU immer nur einen einzelnen Wert anzuschauen. Wer das große Bild versteht, versteht auch, warum sich so viele Beschwerden gleichzeitig einstellen – und warum sie zusammenhängen.
Kann HPU wirklich mehrere Hormone gleichzeitig durcheinanderbringen?
Ja – und der Grund ist einfacher, als es klingt. Hormone sind kein loser Haufen einzelner Stoffe, sondern ein Netzwerk, das sich gegenseitig beeinflusst und aus gemeinsamen Ressourcen schöpft. Für ihre Bildung, ihren Umbau und ihren Abbau braucht der Körper immer wieder dieselben Werkzeuge. Wird an diesen Werkzeugen gespart, bekommt nicht ein Bereich zu wenig, sondern das ganze System arbeitet auf Sparflamme.
Bei HPU verliert der Körper genau diese Werkzeuge dauerhaft über den Urin (was HPU genau ist). Dazu kommt, dass der Baustein Häm bei HPU fehlerhaft gebaut wird – und Häm sitzt mitten in den Enzymen, die verbrauchte Hormone wieder abbauen. Zwei Baustellen also: zu wenig Material für die Bildung, zu wenig Kapazität für den Abbau. Kein Wunder, dass es an mehreren Stellen zugleich hakt.
Was haben Zink und B6 mit Hormonen zu tun?
Sie sind an erstaunlich vielen Stellen die stillen Helfer. Zink wird für die Schilddrüse gebraucht, es spielt bei der Bildung von Geschlechtshormonen mit und hält Hormonrezeptoren empfindlich – also die „Andockstellen”, über die Hormone überhaupt wirken. Vitamin B6 ist unter anderem an der Steuerung des Zyklus beteiligt und an den Botenstoffen, über die Stress und Hormone miteinander reden.
Fehlen diese beiden, wird nicht nur weniger gebildet – der Körper reagiert auch schlechter auf die Hormone, die da sind. Das erklärt eine Erfahrung, die viele Betroffene machen: Die Blutwerte sehen „fast normal” aus, und trotzdem fühlt sich alles nach Mangel an. Oft liegt es nicht an der Menge des Hormons, sondern daran, dass die Bausteine für seine Wirkung fehlen.
Warum ist die Entgiftung der Schlüssel?
Weil Hormone nicht nur gebildet, sondern auch wieder abgebaut werden müssen – und dieser Abbau läuft zu einem großen Teil über die Leber. Verbrauchtes Östrogen zum Beispiel muss entschärft und ausgeschieden werden. Ist die Entgiftung ausgebremst, wie es bei HPU typisch ist (warum der Körper bei HPU schlechter entgiftet), stauen sich diese Hormone – und das Gleichgewicht kippt.
Genau dieses Muster steckt hinter vielen Beschwerden: eine relative Übermacht von Östrogen, weil sein Abbau nicht hinterherkommt, während das ausgleichende Progesteron schneller absackt. Dieselbe Mechanik zeigt sich im Zyklus und beim PMS wie auch in den Wechseljahren – nur in unterschiedlichen Lebensphasen.
Welche Hormonthemen tauchen bei HPU besonders oft auf?
Vier Bereiche kehren in der Praxis immer wieder – und sie hängen alle am selben roten Faden.
Die Schilddrüse braucht Zink, um ihre Hormone zu bilden und in die aktive Form umzuwandeln; fehlt es, verlangsamt sich der ganze Stoffwechsel (warum die Schilddrüse bei HPU oft schwächelt). Die Nebennieren stehen unter Dauerlast, weil chronischer Stress Bausteine abzieht, die dann für die Geschlechtshormone fehlen (wenn die Nebenniere erschöpft). Der Zyklus reagiert empfindlich auf den B6-Mangel und die gestaute Östrogenlast. Und in den Wechseljahren trifft die ohnehin schwankende Hormonlage auf einen Körper, dem die Puffer fehlen.
Man muss diese vier nicht getrennt betrachten. Sie sind vier Fenster in denselben Raum.
„Ich sehe ständig Frauen, die von einem Facharzt zum nächsten geschickt werden – einer für die Schilddrüse, einer für den Zyklus, einer für die Erschöpfung. Dabei ist es oft ein und dieselbe Ursache. Wenn man dem Körper die fehlenden Bausteine zurückgibt, beruhigt sich häufig mehr als nur eine Baustelle.” — Dr. Claudia Bentzien
Was solltest du jetzt tun?
Zuerst: hormonelle Beschwerden ärztlich einordnen lassen, statt auf eigene Faust zu experimentieren. Verordnete Hormone und Schilddrüsenmedikamente haben ihren Platz und sollten nie eigenmächtig verändert werden. Die Arbeit an den Nährstoffen steht daneben, nicht an ihrer Stelle.
Und dann lohnt der Blick auf das große Ganze. Wenn bei dir mehrere Hormonthemen gleichzeitig auftreten – dazu Erschöpfung, ein empfindlicher Darm und Reizempfindlichkeit –, ist eine HPU eine Spur, der man nachgehen sollte. Bausteine wie Zink und B6 sollten dabei nicht blind geschluckt, sondern gemessen und gezielt ausgeglichen werden.
Aus meiner Erfahrung mit über 600 begleiteten Menschen (mehr über mich) ist „gleich mehrere Hormone auf einmal” fast nie Pech. Meist ist es ein System, dem an einer zentralen Stelle das Material fehlt – und das lässt sich an der Wurzel angehen, statt an jedem Symptom einzeln.
Häufige Fragen
Sollte man bei HPU die Hormone einfach von außen ersetzen?
Nicht vorschnell. Manche Hormonstörungen brauchen ärztlich verordnete Hormone, andere bessern sich, wenn dem Körper die fehlenden Bausteine zurückgegeben werden. Was das eine oder andere ist, sollte fachlich anhand von Messwerten entschieden werden – und verordnete Hormone oder Schilddrüsenmedikamente sollten niemals eigenmächtig verändert werden.
Welches Hormon ist bei HPU am häufigsten betroffen?
Das ist individuell verschieden. Besonders oft zeigen sich die Schilddrüse und das Zusammenspiel von Stress- und Zyklushormonen. Weil aber alle an ähnlichen Bausteinen hängen, kommt selten ein Bereich allein – und genau deshalb lohnt der Blick auf das Ganze statt auf einen Einzelwert.
Wann sollte ich meine Hormone ärztlich abklären lassen?
Bei anhaltender Erschöpfung, hartnäckigen Zyklusbeschwerden, unerklärlichen Gewichts- oder Stimmungsveränderungen. Solche Beschwerden sollten ärztlich eingeordnet werden; die Arbeit an den Nährstoffen ist eine Ergänzung, kein Ersatz für diese Abklärung.