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HPU und PMS – warum die Tage vor den Tagen so hart sind

Veröffentlicht: 3. August 2026 · Dr. rer. nat. Claudia Bentzien

Wenn die Tage vor der Periode zuverlässig zur härtesten Zeit im Monat werden – Reizbarkeit, Heißhunger, Wassereinlagerungen, ein Stimmungstief wie aus dem Nichts –, ist das weder Einbildung noch einfach Pech. Häufig steckt ein Nährstoffthema mit drin. Vitamin B6 ist an gleich mehreren Stellen im Zyklus beteiligt: an den beruhigenden Botenstoffen wie Serotonin und GABA, an der Empfindlichkeit für das Hormon Progesteron und am Abbau von Östrogen. Bei einer Hämopyrrollaktamurie (HPU) geht B6 laufend über den Urin verloren – und genau deshalb erleben viele Frauen mit HPU ein deutlich heftigeres prämenstruelles Syndrom (PMS).

HPU verursacht kein PMS. Aber es kann ihm die Bremse nehmen – weil dem Körper in der empfindlichsten Phase des Zyklus die Bausteine fehlen, um gegenzusteuern.

Warum wird PMS bei HPU oft schlimmer?

Weil PMS zu einem guten Teil an Botenstoffen hängt – und deren Bildung an B6. In der zweiten Zyklushälfte sinkt der Spiegel der beruhigenden Hormone, und das Nervensystem wird empfindlicher. Damit es nicht komplett kippt, braucht der Körper Serotonin, GABA und Dopamin – und für all diese ist Vitamin B6 ein zentraler Baustein. Fehlt es, trifft die hormonelle Talfahrt auf ein Nervensystem, das ohnehin schon auf dem Zahnfleisch geht.

Dass B6 hier eine Rolle spielt, ist keine Vermutung: Auswertungen mehrerer Studien deuten darauf hin, dass B6 gerade die stimmungsbezogenen PMS-Beschwerden mildern kann. Bei HPU, wo B6 chronisch knapp ist, fällt dieser Puffer weg – die schlechten Tage werden schlechter.

Was hat Östrogen mit dem Ganzen zu tun?

Mehr, als viele denken – und zwar über das Gleichgewicht zweier Hormone. Beim klassischen PMS-Muster fällt in der zweiten Zyklushälfte oft zuerst das Progesteron ab, während Östrogen relativ betrachtet die Oberhand behält. Fachleute sprechen von einer relativen Östrogendominanz. Und Östrogen, das seine Arbeit getan hat, muss der Körper wieder abbauen – ein großer Teil davon läuft über die Entgiftungsleistung der Leber.

Genau hier kommt HPU ein zweites Mal ins Spiel: Weil bei HPU der Baustein Häm fehlerhaft gebaut wird, arbeitet die Entgiftung der Leber langsamer (warum der Körper bei HPU schlechter entgiftet). Wird verbrauchtes Östrogen langsamer abgebaut, verstärkt das die Schieflage zusätzlich. Das ist dasselbe Grundmuster, das auch in den Wechseljahren für Beschwerden sorgt – nur eben im monatlichen Rhythmus.

Spielt der Darm da auch mit?

Ja, und dieser Punkt wird oft übersehen. Der Darm ist an der Ausscheidung von überschüssigem Östrogen beteiligt: Was die Leber vorbereitet hat, soll über den Darm hinausbefördert werden. Ist die Darmflora aus dem Gleichgewicht, kann ein Teil des Östrogens im Darm wieder aktiviert und zurück in den Kreislauf aufgenommen werden, statt ausgeschieden zu werden. Dann steigt die Östrogenlast weiter – und das PMS mit ihr.

So greifen bei HPU drei Dinge ineinander: ein Nervensystem ohne beruhigende Bausteine, eine ausgebremste Entgiftung und ein Darm, der beim Ausscheiden nicht rund läuft. Kein Wunder, dass sich diese Woche im Monat anfühlt wie gegen die Wand.

„Ich habe so viele Frauen erlebt, die jahrelang gehört haben, ihr PMS sei eben normal, da müsse man durch. Dabei war ihr Körper schlicht unterversorgt. Wenn die Bausteine wieder da sind, verändert sich die zweite Zyklushälfte oft spürbar – das ist kein Zauber, das ist Biochemie.” — Dr. Claudia Bentzien

Was solltest du jetzt tun?

Zuerst: dein PMS ernst nehmen und nicht kleinreden lassen. Wenn du Monat für Monat stark leidest, ist das ein Signal, dem man nachgehen sollte – bei sehr schweren, vor allem seelischen Beschwerden auch ärztlich, um eine PMDS abzuklären.

Und dann lohnt der Blick auf das Terrain. Vitamin B6 sollte dabei nicht auf Verdacht hochdosiert, sondern gemessen und gezielt ausgeglichen werden – gerade weil zu viel davon auf Dauer schadet. Erkennst du dich im Gesamtbild wieder, mit Erschöpfung, empfindlichem Darm und Reizempfindlichkeit rund um deine schlimmen Tage, kann eine HPU dahinterstecken (was HPU genau ist).

Aus meiner Erfahrung mit über 600 begleiteten Menschen (mehr über mich) ist starkes PMS selten „einfach so”. Meist ist es ein Körper, dem in seiner empfindlichsten Phase das Material fehlt – und das lässt sich ändern.

Häufige Fragen

Ist ein bisschen PMS nicht einfach normal?

Leichte Schwankungen im Zyklus gehören dazu. Aber Monat für Monat regelrecht zu leiden – mit tiefen Stimmungstiefs, Reizbarkeit oder Erschöpfung, die den Alltag lahmlegen – ist nicht einfach hinzunehmen. Eine besonders schwere Form ist die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS); die sollte ärztlich oder psychologisch abgeklärt werden.

Kann Vitamin B6 bei PMS helfen?

Studien deuten darauf hin, dass B6 vor allem die stimmungsbezogenen PMS-Beschwerden lindern kann. Wichtig: nicht blind hochdosieren – zu viel B6 über längere Zeit kann die Nerven schädigen. Der Status sollte gemessen und gezielt ausgeglichen werden, statt auf gut Glück zu supplementieren.

Woran erkenne ich, dass bei meinem PMS HPU mitspielt?

Wenn zum starken PMS die typischen HPU-Zeichen kommen – anhaltende Erschöpfung, empfindlicher Darm, schlechter Schlaf, Reizempfindlichkeit auf Koffein oder Gerüche –, lohnt sich der Blick auf den Nährstoffstatus und eine mögliche HPU. Das sollte fachlich abgeklärt werden.

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