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HPU und ADHS – kann ein Nährstoffmangel die Symptome verstärken?

Veröffentlicht: 29. Juli 2026 · Dr. rer. nat. Claudia Bentzien

Vorweg das Wichtigste: HPU verursacht kein ADHS. Eine Aufmerksamkeitsstörung ist eine eigenständige neurologische Besonderheit, die fachlich abgeklärt und behandelt werden sollte – nicht die Folge eines Nährstoffmangels. Was aber gut belegt ist: Kinder und Erwachsene mit ADHS haben auffällig oft niedrige Werte an Zink, Eisen, Magnesium und B-Vitaminen. Und genau diese Bausteine braucht das Gehirn, um seine Botenstoffe zu bilden. Bei einer Hämopyrrollaktamurie (HPU) verliert der Körper einige davon – vor allem Zink und Vitamin B6 – dauerhaft. Wo ADHS und HPU zusammenkommen, kann das die Symptome zusätzlich erschweren.

Es geht hier also nicht um eine neue Ursache, sondern um einen Baustein, der oft übersehen wird – und um einen wichtigen Unterschied: Nährstoffe können eine ADHS-Behandlung unterstützen, aber niemals ersetzen.

Verursacht HPU ADHS?

Nein, und diese Klarheit ist mir wichtig. ADHS ist neurologisch veranlagt, stark erblich und entsteht nicht dadurch, dass jemandem Zink fehlt. Die Forschung sieht bei ADHS zwar häufiger niedrige Nährstoffwerte – aber ein Zusammenhang ist keine Ursache. In Studien, die gezielt Nährstoffe gegeben haben, fielen die Ergebnisse gemischt aus. Am ehesten profitierten die Kinder, bei denen tatsächlich ein Mangel vorlag.

Genau das ist der Punkt. Nicht jedes Kind mit ADHS hat einen Mangel. Aber wenn einer da ist, kann er die Symptome verstärken – und dann lohnt es sich, ihn auszugleichen.

Was haben Zink, Eisen und B6 mit Konzentration zu tun?

Eine ganze Menge. Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und innere Ruhe hängen an Botenstoffen wie Dopamin und Noradrenalin – und der Körper braucht bestimmte Bausteine, um sie zu bilden und im Gleichgewicht zu halten. Vitamin B6 ist an fast jedem dieser Schritte beteiligt, Zink und Eisen ebenfalls. Fehlt es daran, arbeitet das System reizbarer und weniger stabil. Nicht als Ursache des ADHS, aber als zusätzliche Last obendrauf.

Bei ADHS finden sich genau diese Werte überdurchschnittlich oft im unteren Bereich, und der Zinkstatus hängt in manchen Untersuchungen mit der Ausprägung der Symptome zusammen.

Wo kommt HPU ins Spiel?

Bei HPU verliert der Körper dauerhaft unter anderem Zink und Vitamin B6 über den Urin (was HPU genau ist) – also ausgerechnet die Bausteine, die das Gehirn für eine ruhige, fokussierte Verarbeitung braucht. Ein Kind oder Erwachsener mit HPU startet damit sozusagen mit halbem Tank. Kommt eine ADHS-Veranlagung dazu, trifft beides aufeinander.

Dazu kommt oft ein unruhiger Schlaf, der die Konzentration am nächsten Tag zusätzlich untergräbt (warum HPU den Schlaf stört), und eine allgemeine Reizempfindlichkeit. Das erklärt, warum HPU bei Menschen mit ADHS-Symptomen so auffällig häufig auftaucht – und warum es manchmal zu kurz greift, nur auf das Verhalten zu schauen.

„Ich behandle kein ADHS – das ist Sache der Fachleute, und das soll auch so bleiben. Aber ich sehe immer wieder Kinder und Erwachsene, deren Nervensystem schlicht nicht die Bausteine hat, um zur Ruhe zu kommen. Schließt man diese Lücke, wird die eigentliche Behandlung oft leichter. Nicht statt ihr, sondern an ihrer Seite.” — Dr. Claudia Bentzien

Was solltest du oder dein Kind jetzt tun?

Zuerst und vor allem: ADHS fachlich abklären und behandeln lassen. Eine gute Diagnostik und Begleitung durch Ärztinnen, Ärzte oder Psychologinnen und Psychologen ist durch nichts zu ersetzen – und dieser Artikel ersetzt sie ausdrücklich nicht.

Wenn parallel die typischen HPU-Zeichen da sind – Erschöpfung, empfindlicher Darm, Reizempfindlichkeit, schlechter Schlaf –, kann es sich lohnen, den Nährstoffstatus abklären zu lassen. Zwei Dinge sind dabei wichtig: Nährstoffe sollten nicht blind gegeben, sondern im Blut gemessen werden, und manche können mit Medikamenten wechselwirken – Eisen etwa kann die Aufnahme von Stimulanzien beeinflussen. Deshalb gilt hier besonders: nur in fachlicher Begleitung – und niemals ein verordnetes Medikament auf eigene Faust absetzen oder verändern.

Aus meiner Erfahrung mit über 600 begleiteten Menschen (mehr über mich) ist das Zusammenspiel von ADHS und einem leeren Nährstofftank ein gutes Beispiel dafür, warum es sich lohnt, den ganzen Menschen anzuschauen – nicht statt der bewährten Behandlung, sondern als Fundament, das sie trägt.

Häufige Fragen

Kann ein Nährstoffmangel ADHS verursachen?

Nein. ADHS ist eine neurologische Veranlagung, kein Mangelzustand. Allerdings finden sich bei ADHS häufig niedrige Werte an Zink, Eisen oder Magnesium, die die Symptome verstärken können. Ein Ausgleich hilft vor allem dann, wenn tatsächlich ein Mangel vorliegt – und zwar ergänzend zur Behandlung.

Ersetzen Zink oder Magnesium ADHS-Medikamente?

Nein, ganz klar nicht. Nährstoffe können eine Behandlung unterstützen, aber nicht ersetzen. Ein verordnetes Medikament sollte niemals eigenmächtig abgesetzt oder verändert werden. Außerdem können Nährstoffe mit Medikamenten wechselwirken – etwa Eisen mit Stimulanzien –, deshalb sollte das fachlich begleitet werden.

Sollte ich bei ADHS an HPU denken?

Wenn zusätzlich HPU-typische Zeichen bestehen – Erschöpfung, empfindlicher Darm, Reizempfindlichkeit, schlechter Schlaf –, kann es sinnvoll sein, den Nährstoffstatus und eine mögliche HPU abklären zu lassen. Immer begleitend zur ADHS-Behandlung, nicht an ihrer Stelle.

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